EU4Journalists.eu is currently not updated. We hope to be back soon.

eu4journalists

select your language

Europa 2020

2. Zielsetzungen und Richtlinien

Mit seinem besonderen Schwerpunkt auf Problemen der Bildung und Armut differenziert sich Europa 2020 ein wenig von der Lissabon-Strategie, die einen begrenzteren Reformansatz handhabte. Europa 2020 gibt sich also etwas ‘sozialer’ als ihre Vorgängerin, ein Umschwung, der vermutlich eine Veränderung im Zeitgeist widerspiegelt, als Folge der Finanzkrise, welche die rohen Marktkräfte größtenteils in Misskredit gebracht hat.

Staatsoberhäupter, die einer möglichen EU-Einmischung in ihre Staatspolitik defensiv gegenüberstehen, verwarfen die Ziele der Europäischen Kommission bezüglich Bildung und Armut zu Beginn 2010. Diese Zahlen wurden später im Juni 2010 genehmigt, obwohl Mitgliedsstaaten sich den Vorbehalt einräumten, dass sie auf jeden Fall weiterhin selbst ihre Ziele in Übereinstimmung mit den Bedingungen in ihrem Land bestimmen können.

Ziele

Im Juni 2010 genehmigte der Europäische Gipfel die folgenden fünf Ziele für das kommende Jahrzehnt:

  1. 75 % der Bevölkerung unter 20-64 muss Arbeit haben. Dieses Ziel soll durch stärkere Beteiligung junger Menschen, älterer Arbeitskräfte, niedrig geschulter Arbeitskräfte und die Integration legaler Migranten in das Arbeitskräftepotenzial erreicht werden.
  2. 3 % des BIP in der EU soll durch kombinierte öffentliche und private Investitionen in Forschung und Entwicklung fließen.
  3. In Übereinstimmung mit den 20/20/20 Klima- und Energiezielen der EU sollten die Mitgliedstaaten ihre Treibhausgasemissionen um 20 % (gegenüber dem Stand von 1990) reduzieren, den Anteil erneuerbarer Energien im Energiemix auf 20 % erhöhen und die Energieeffizienz um 20 % erhöhen.
  4. Die Schulabbruchraten müssen auf weniger als 10 % reduziert werden, wobei mindestens 40 % der 30-34jährigen einen Hochschulabschluss oder eine gleichwertige Ausbildung haben sollten.
  5. 20 Millionen weniger Menschen sollten durch Armut und Ausgrenzung bedroht sein.

Richtlinien

Im Juli 2010 verabschiedeten die Finanzminister ‘integrierte Richtlinien’ für Strukturreformen, durchzuführen von den Mitgliedstaaten über das nächste Jahrzehnt. Über die Richtlinien für Beschäftigung wird im Oktober 2010 entschieden.

  • Sicherstellung der Tragfähigkeit öffentlicher Finanzen In ihrer Früjahrsprognose der Wirtschaft,veröffentlicht im Mai 2010, berichtet die Kommission, dass die kumulierten Staatsdefizite im Block sich seit 2008 verdreifacht haben. Voraussichtlich werden sie ihren Höchststand bei 7¼% des diesjährigen BIP in der EU erreichen. Das ist mehr als das Doppelte des 3 % Ziels, festgelegt durch den Stabilitäts- und Wachstumspakt.

  • Bekämpfung makroökonomischer Ungleichgewichte Besondere Aufmerksamkeit wird den aktuellen Kontoständen zuteil. Die Mitgliedstaaten werden darin bestärkt, ihre Wettbewerbsfähigkeit durch die Durchführung dringend nötiger Strukturreformen in Bereichen wie Renten, Arbeitsmärkte und Besteuerung zu untermauern.

  • Abbau der Ungleichgewichte im Eurobereich Makroökonomische und aktuelle Kontostände unter den Euroländern sind ein ganz besonderes Anliegen. Die Eurozone hat in letzter Zeit eine Vertrauenskrise durchgemacht, als die Schuldenprobleme der Griechen drohten, auf andere anfällige Eurowirtschaftsländer wie Portugal und Spanien überzugreifen.

  • Unterstützung der Innovation und Freisetzung des Potenzials der digitalen Ökonomie Die EU bleibt hinsichtlich der Ausgaben für Forschung und Entwicklung hinter anderen Weltökonomien zurück. Deshalb wird angestrebt, die Forschungs- und Innovationspolitik im Hinblick auf Probleme wie Klimawandel, Energiesicherheit und Ressourceneffizienz, Gesundheit und demographischen Wandel wieder neu zu fokussieren. Der Block muss auch bei der Entfaltung des Hochgeschwindigkeitsinternets noch einiges aufzuholen.

  • Verbesserung der Ressourceneffizienz und Reduzierung von Treibhausgasen Den Vorschlägen der Kommission zufolge könnte das Erreichen der EU-Energie- und Klimaziele die Gas- und Ölimporte bis 2020 um €60 Milliarden vermindern, Während Engpässe auf dem Energiemarkt das BIP um 0,6 %-0,8 % erhöhen könnten. Ein Anstieg des Anteils erneuerbarer Energien im Energieportfolio auf 20 % bis 2020 könnte mehr als 600.000 Arbeitsplätze schaffen.

  • Modernisierung der Industriebasis Dazu gehören Pläne, die Verwaltungsbürokratie zu vermindern, die öffentliche Auftragsvergabe und die Wettbewerbsregeln zu aktualisieren, den Zugang zu Finanzen zu verbessern und Unternehmertum zu fördern. Es müssen Anstrengungen unternommen werden, den Industrien zu helfen, die durch Globalisierung und die grüne Ökonomie gebotenen Gelegenheiten zu nutzen..

  • Erhöhung der Arbeitsmarktbeteiligung Das Arbeitskräftepotenzial in Europa schrumpft, und nur zwei Drittel der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter hat auch effektiv Arbeit. Laut den Vorschlägen der Kommission liegt die Arbeitslosenrate für junge Menschen bei über 21 %. 80 Millionen Menschen besitzen nur geringe oder grundlegende Fertigkeiten. Bis 2020 werden 16 Millionen weitere Jobs hohe Qualifikationen erfordern, und für schlechter geschulte sind dann 12 Millionen weniger Jobs verfügbar.

  • Entwicklung von Facharbeitskräften Das Ziel besteht darin, die Arbeitsmärkte zu modernisieren, um die Beschäftigungsquoten anzuheben. Dazu sollen insbesondere Menschen mit neuen Fertigkeiten versehen werden, die es ihnen ermöglichen, sich neuen Bedingungen und Laufbahnveränderungen anzupassen. Die Betonung lieg auf ‘lebenslangem Lernen’. Die Mitgliedstaaten werden angeregt, Hindernisse für berufliche und geographische Mobilität zu beseitigen.

  • Verbesserungen im Bildungsbereich Gemäß den Vorschlägen der Kommission kämpft ein Viertel der Schüler mit Leseschwächen, und einer von sieben jungen Leuten verlässt die Schule zu früh. Weniger als eine von drei Personen im Alter von 25 bis 34 hat einen Universitätsabschluss, verglichen mit 40 % in den USA und über 50 % in Japan. Nur zwei europäische Universitäten gehören weltweit zu den Top 20.

  • Förderung sozialer Inklusion 80 Millionen Menschen waren vor der Krise von Armut bedroht, und 8 % der heute Berufstätigen verdienen nicht genug, um die Armutsgrenze zu überschreiten. Landesregierungen müssen Risikogruppen erkennen und sicherstellen, dass ihre Sozialsicherheitssysteme den Armen den richtigen Zugang zu Einkommensunterstützung und Gesundheitsfürsorge bereitstellen.

back to top