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Mehrsprachigkeit

4. Ausbau der mehrsprachigen Wirtschaft

Rund 10 Mio. Europäer arbeiten in anderen Mitgliedsstaaten. Eine polyglotte Gesellschaft – ob sie aus Ausländern, Einheimischen oder einer Mischung beider Gruppen besteht –, vervielfacht die Möglichkeiten für Beruf und Freizeit. Eine Atmosphäre, in der sich jeder geschätzt und respektiert fühlt, zieht Investoren ebenso an wie Touristen.

Auf den globalen und regionalen Märkten des 21. Jahrhunderts werden Sprachkompetenzen mit beruflichen Kompetenzen gleichgesetzt. Außerdem hat die Forschung gezeigt, dass Menschen, die Fremdsprachen sprechen, besser vernetzt denken können als Einsprachige. In der heutigen multidimensionalen Wirtschaft und den entsprechenden Berufsbildern, die tägliche Problemlösungen erfordern, ist diese Fähigkeit besonders begehrt.

Mehrsprachigkeit ist daher nicht mehr auf internationale Großunternehmen beschränkt, sondern gewinnt auch für kleine und mittelständische Unternehmen (KMUs) immer mehr an Bedeutung. Einer Studie der Kommission von 2007 zufolge könnten etwa 11% der exportorientierten KMUs der EU aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse Geschäfte entgehen. Im Zuge der aktuellen Wirtschaftskrise könnten sich die bisherigen Wettbewerbsvorteile sprachkompetenter Unternehmen in Überlebensnotwendigkeiten verwandeln.

Im Juli 2008 gab das Wirtschaftsforum zur Mehrsprachigkeit Empfehlungen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und zur Beschäftigungsfähigkeit heraus. Das Forum wies darauf hin, dass Schwellenmärkte wie Brasilien, Russland, Indien und China für die europäischen Unternehmen immer wichtiger werden. Daher sind geeignete Sprachkenntnisse ein entscheidender Erfolgsfaktor beim Handel mit diesen Regionen. Eine der Haupt-Schlussfolgerungen des Forums bestand darin, die Mehrsprachigkeit in allen anderen Strategien zur Entwicklung der Arbeitskräfte zu verankern. So bestand Übereinstimmung mit den entsprechenden Bemühungen der Europäischen Kommission.

Auf den ersten Blick mag nur schwer erkennbar sein, wie vor allem KMUs solche Sprachkompetenzen ausbauen und nutzen können. Daher bemühte sich die Kommission im Jahr 2008 darum, die Firmen dabei zu unterstützen, neue und kreative Wege zur Nutzung von Sprachressourcen zu finden. Außerdem wurde die Bildung von öffentlich-privaten Partnerschaften im Bereich der Sprachausbildung angeregt.

Menschliche Sprachvermittler

Die Übersetzung von Dokumenten und das Dolmetschen bei Konferenzen sind für flüssige Geschäftsabläufe und das Funktionieren von Dienstleistungen und EU-Einrichtungen äußerst wichtig, ganz besonders, seit die EU 27 Mitgliedsstaaten hat, zu denen noch weitere hinzukommen können. Deshalb wurde der ‚Europäische Standard für Übersetzungsleistungen‘ geschaffen, um den Auftraggebern von Übersetzungen eine bessere Qualität sowie einen klaren Qualitätsmaßstab an die Hand zu geben.

Die Kommission unterstützt auch Maßnahmen, welche den Zugang zu Informationen in verschiedenen Sprachen (besonders in Städten und touristischen Zentren) und die Ausbildung von mehrsprachigen Mediatoren erreichen sollen. Durch die steigende Migration innerhalb der EU ebenso wie aus Drittstaaten werden ausgebildete Dolmetscher in immer mehr Bereichen dringend gebraucht, darunter Rechtsbeistand und Altenhilfe. Die Benennung von einheitlichen Ansprechpartnern im Dienstleistungsbereich bis Ende 2009 soll Anbietern wie Kunden sprachliche Sicherheit bieten.

Die Menge der in diesem Dossier erwähnten EU-Maßnahmen belegt das gewachsene Bewusstsein für Mehrsprachigkeit und ihre Bedeutung für das Funktionieren der europäischen Volkswirtschaften. Von den neuen Medien bis hin zu Literaturübersetzungen, von der Berufsausbildung bis hin zum Kulturaustausch trägt Mehrsprachigkeit massiv zur weiteren Entwicklung Europas bei. 2012 soll der Erfolg aller bisherigen Maßnahmen durch die Europäische Kommission und die Mitgliedsstaaten auf den Prüfstand gestellt werden.

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