Gesundheitspolitik
4. Rauchen – Drogen – Übergewicht
Rauchen
Tabak ist mit rund 650.000 Toten als direkte Folge des Rauchens die häufigste Ursache vermeidbarer Todesfälle in der Europäischen Union; insgesamt sterben im Zusammenhang mit dem Rauchen über eine Million Menschen jährlich. Fast die Hälfte der Opfer sind Menschen im Alter zwischen 35 und 69 Jahren – deutlich unterhalb der normalen Lebenserwartung. Schätzungen besagen, dass 25 Prozent aller Krebstoten und 15 aller Todesfälle in der Union auf das Konto des Rauchens gehen.
Die EU verfolgt eine umfassende, viergliedrige Tabakpolitik: Rechtliche Maßnahmen, Unterstützung für europaweite Nichtraucher- und Entwöhnungsprogramme, Eingliederung der Tabakkontrolle in eine Reihe weiterer Politikfelder der Union (z.B. Landwirtschaftspolitik, Steuerpolitik und Entwicklungspolitik), sowie eine führende Rolle der EU bei der weltweiten Bekämpfung des Tabakkonsums.
Anfang 2007 hat die Europäische Kommission ein Diskussionspapier veröffentlicht, das Grünbuch für ein rauchfreies Europa: Strategieoptionen auf EU-Ebene, in dem sie alle Beteiligten und Interessenvertreter zu Stellungnahmen zum weiteren Verfahren aufgerufen hat.
Der Bericht der Kommission über die Ergebnisse schlussfolgert, dass „die große Mehrheit der Stellungnahmen das Grünbuch als einen fälligen Beitrag der in der EU und weltweit geführten Debatte über Rauchfreiheit begrüßt und weitere Unterstützung für die Schaffung rauchfreier Umgebungen in der gesamten EU angekündigt hat. Die Mehrheit der Reaktionen teilt die Auffassung der Kommission, dass nur ein vollständiges Rauchverbot an allen geschlossenen Arbeitsplätzen und öffentlichen Orten – mit minimalen Ausnahmen aus humanitären Gründen – die Gesundheit der Bürger und Arbeitskräfte effektiv schützen kann.“
Im Laufe des Jahres 2008 beabsichtigt die Kommission, eine Nachfolgeinitiative für rauchfreie Umgebungen aufzulegen.
Drogen
Drogen gefährden die öffentliche Gesundheit und die öffentliche Ordnung in allen Mitgliedsstaaten. Starke Drogenkonsumenten setzen sich schwersten Gesundheitsgefahren aus, und sogar ein gelegentlicher Missbrauch ist mit Risiken verbunden.
Das European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction (EMCDDA) berichtete im November 2007, dass „Europa nach mehr als einem Jahrzehnt steigenden Drogenkonsums nun in eine stabilere Phase einzutreten scheint. Es gibt nicht nur Anzeichen dafür, dass der Missbrauch von Heroin und der intravenöse Konsum allgemein abnehmen, sondern neueste Daten deuten auch an, dass der Cannabis-Konsum nach einer langanhaltenden Steigerungsphase ein Plateau erreicht hat. Gleichwohl werden diese positiven Eindrücke dadurch getrübt, dass es immer noch sehr viele auf Drogen zurückgehende Todesfälle und steigenden Kokain-Missbrauch gibt.“
Das EMCDDA schätzt, dass es in der EU rund 3 Millionen Cannabis-Konsumenten gibt, obwohl die Droge unter den jungen Menschen an Popularität verliert. Der Konsum von Kokain steigt hingegen an: Im vergangenen Jahr nahmen rund 4,5 Millionen Europäer diese Droge. An Überdosen sterben jedes Jahr 7.000-8.000 Menschen – etwa 22 pro Tag.
Die EU hat in den frühen neunziger Jahren mit der Koordination der Drogenbekämpfung begonnen. Der erste Globale Aktionsplan zur Drogenbekämpfung galt von1994-1999. Am Ende dieses Zeitraums unterstützte der Europäische Rat in Helsinki die EU-Drogenstrategie (2000-2004), deren Ziele die Verringerung des Drogenmissbrauchs insbesondere unter jungen Menschen, die Bekämpfung der Beschaffungskriminalität und die Vermeidung von gesundheitlichen Folgeschäden (HIV/AIDS, Tuberkulose, Hepatitis) waren. Außerdem sollten mehr Drogenabhängige erfolgreich therapiert werden.
Im Dezember 2004 beschloss der Europäische Rat die zweite EU-Drogenstrategie (2005-2012), die durch den EU-Drogenaktionsplan (2005-2008) in die Praxis umgesetzt wurde. Die Kommission wird 2008 eine Evaluation der Ergebnisse durchführen, um auf dieser Basis einen zweiten Aktionsplan für den Zeitraum 2009-2012 vorschlagen zu können.
Die wichtigsten Ziele der Strategie sind:
ein hohes Maß an Gesundheitsschutz, Wohlbefinden und sozialem Zusammenhalt zu erreichen. Dazu sollen die Maßnahmen der Mitgliedstaaten zur Vermeidung bzw. Verringerung des Drogenkonsums, der Drogenabhängigkeit sowie der drogenbedingten Gesundheitsschäden und Risiken für die Gesellschaft ergänzt werden;
ein hohes Maß an Sicherheit für die Öffentlichkeit zu gewährleisten. Zu diesem Zweck werden Maßnahmen zur Bekämpfung der Drogenherstellung, des grenzüberschreitenden Drogenhandels und der Beschaffung von Grundstoffen ergriffen und die Präventivmaßnahmen gegen Drogenstraftaten intensiviert;
die Koordinierungsmechanismen der EU zu verstärken. Dies soll sicherstellen, dass die auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene getroffenen Maßnahmen einander ergänzen und zu einem effizienten Vorgehen im Rahmen der EU-Drogenpolitik führen.
Außerdem startete die EU im September 2007 das Drogenpräventions- und -aufklärungsprogramm. Dieses Programm stellt 21,35 Mio. € bereit, mit denen grenzüberschreitende Projekte zur Vorbeugung und Reduktion des Drogenkonsums, der Drogenabhängigkeit und drogenbedingter Schäden im Zeitraum 2007-2013 finanziert werden sollen.
Übergewicht
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es in den Ländern Europas heute dreimal so viele Menschen mit Übergewicht wie in den 1980er Jahren. Dem Eurobarometer zufolge verbringt der durchschnittliche Europäer über sechs Stunden des Tages im Sitzen.
Übergewicht hat sich zu einem der größten Probleme der öffentlichen Gesundheit in der EU entwickelt. Es erhöht erheblich das Risiko vieler chronischer Erkrankungen, darunter Herz-Kreislauf-Krankheiten, Typ-2-Diabetes und bestimmte Krebsarten – genau jene Krankheiten, die in Europa und weltweit für die meisten Todesfälle verantwortlich sind.
Besonders besorgniserregend ist der Anstieg der Zahl übergewichtiger Kinder, da sich Ernährungsgewohnheiten und die Gewohnheiten im Hinblick auf körperliche Bewegung meist das ganze Leben lang halten. Der Kommission zufolge sind heute rund 3 Mio. Schulkinder übergewichtig.
Um diese „Epidemie“ – wie die Kommission es formuliert – zu bekämpfen, wurde 2005 eine EU-Aktionsplattform für gesunde Ernährung, Bewegung und Gesundheit ins Leben gerufen. Sie bringt Verbraucherorganisationen, die Industrie und Gesundheitsexperten zusammen, um gemeinsam Wege zur Bekämpfung des Übergewichts zu finden und den aktuellen Trend aufzuhalten oder – besser noch – rückgängig zu machen.
Im Mai 2007 hat die Kommission das Weißbuch Ernährung, Übergewicht, Adipositas: Eine Strategie für Europa, vorgelegt. Darin schlägt sie ein gemeinsames europäisches Vorgehen gegen Gesundheitsprobleme aufgrund von schlechter Ernährung, Übergewicht und Fettleibigkeit vor. Die Strategie fordert:
bessere Verbraucherinformation (einschließlich Nährwertkennzeichnung, nährwert- und gesundheitsbezogene Aussagen auf Lebensmittelpackungen, sowie bei der Lebensmittelwerbung und dem Lebensmittelmarketing);
leichtere Verfügbarkeit gesunder Lebensmittel (zur Erhöhung des Verzehrs von Obst und Gemüse und zur Reduktion des Fett-, Salz- und Zuckergehalts in Fertigprodukten);
mehr Bewegung und Sport (beim Pendeln zur Schule und zur Arbeit und durch Sportaktivitäten für Kinder).
2008 will die Kommission eine Studie in Auftrag geben, die herausfinden soll, wie Lebensmittel anders zusammengesetzt werden können, damit sie weniger krankmachende Inhaltsstoffe enthalten.
Die Kommission wird im Jahr 2010 die Fortschritte bei der Bekämpfung der Fettleibigkeit überprüfen. Diesen Zeitpunkt sehen viele Beobachter als Ultimatum für die Lebensmittelindustrie und die Lebensmittelwerbung, freiwillige Maßnahmen zu ergreifen, bevor sie durch Gesetze dazu gezwungen werden.
Quick-jump to other chapters in this dossier :
Chapters
- 1. Hintergrund
- 2. Gesundheitspolitische Strategie 2008-2013
- 3. Gesundheitlicher Verbraucherschutz
- 4. Rauchen – Drogen – Übergewicht
- 5. Key policy makers and contacts

