Die Wirtschafts- und Währungsunion und der Euro
1.Die Geschichte – die Einführung des Euro
Die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion (EWU) ist eine Vereinbarung zwischen den beteiligten Nationen, die gleiche Währung – den Euro – zu benutzen und eine gemeinsame Wirtschaftspolitik zu betreiben, die bestimmte Verantwortlichkeiten in der Finanzpolitik festlegt. Es gibt zur Zeit 27 Mitgliedsstaaten, die in unterschiedlichem Maß in die Wirtschafts- und Währungsunion integriert sind. Dreizehn Mitgliedsstaaten haben den Euro als Währung übernommen: Österreich, Belgien, Finnland, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Portugal, Slowenien und Spanien. Mit der Entscheidung des Europarates, im Juli 2007, wird sowohl in Zypern als auch in Malta der Euro als Waehrungsmittel eingefuehrt und somit die Eurozone auf 15 Mitgliedsstaaten, mit ersten Jannuar 2008, ausgeweitet. Drei weitere Mitgliedsstaaten (das Vereinigte Königreich, Dänemark und Schweden) haben nicht die Absicht, den Euro in absehbarer Zeit zu übernehmen. Andere Staaten sollen den Euro in den nächsten zehn Jahren als Währung einführen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die meisten Währungen der Industrieländer im System vom Bretton Woods eng mit dem Dollar verbunden. Die Vorherrschaft des Dollar und die erzwungene Abwertung mehrerer europäischer Währungen veranlasste die europäischen Politiker, das Ungleichgewicht zwischen dem Dollar und den europäischen Währungen durch eine größere wirtschaftliche Integration auszugleichen.
Die ersten Pläne für eine einheitliche europäische Währung gehen auf den Barre-Bericht von 1969 zurück, der von den sechs Gründungsmitgliedern der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) verabschiedet wurde. Die Staats- und Regierungschefs trafen sich später im gleichen Jahr in Den Haag, um eine Wirtschafts- und Währungsunion zu planen. Diese Pläne wurden dadurch verzögert, dass das System von Bretton Woods 1971 zusammenbrach, nachdem Präsident Nixon die Goldgarantie für den Dollar aufhob. Später traten der EWG drei weitere Staaten bei, die zögerten, ihre nationalen Währungen aufzugeben.
Die Währungsintegation vollzieht sich in drei Stufen.
Stufe I
1979 wurde das Europäische Währungssystem (EWS) gegründet, um die europäischen Währungen enger aneinander zu binden und Schwankungen in den Wechselkursen zu begrenzen. Damit wurde der Europäische Wechselkursmechanismus (WKM) geschaffen, der die Schwankungsbreite des Wechselkurses auf 2,25 Prozent nach oben und nach unten begrenzt. Der Referenzkurs wurde durch einen Währungskorb – die europäische Währungseinheit Ecu - gebildet, in der alle europäischen Währungen entsprechend dem jeweiligen ökonomischen Gewicht vertreten waren.
In den späten 80er Jahren wuchsen die Märkte der Mitgliedsstaaten immer enger zusammen. Es entstand das, was man später den europäischen Binnenmarkt nannte. Der Handel im Binnenmarkt wurde durch die schwankenden Wechselkurse, die zu höheren Transaktionskosten führten, auch nach der Einführung des EWR behindert. Eine einheitliche Währung für den Binnenmarkt schien die logische Lösung zu sein. Die Idee der einheitlichen Währung kam dadurch zurück auf die politische Tagesordnung.
Die Europäische Kommission unter Jacques Delors beschloss 1986 die Einheitliche Europäische Akte. Mit ihr sollten die institutionellen und wirtschaftlichen Handelshindernisse zwischen den Mitgliedsstaaten der europäischen Gemeinschaft (EC) beseitigt und ein gemeinsamer Markt geschaffen werden. 1989 entstanden Pläne, die Wirtschafts- und Währungsunion in drei Stufen einzuführen. Obwohl das EWS bereits 1979 gegründet wurde, begann die 1. Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion erst 1990 mit der Beseitigung der Kapitalverkehrskontrollen. Damit wurde der freie Kapitalmarkt in der EC hergestellt. 1992 wurden die drei Stufen in denen die Delors-Kommission die Währungsunion verwirklichen wollte, durch den Vertrag von Maastricht offiziell festgeschrieben. Der Vertrag sieht auch sogenannte Konvergenzkriterien für die Übernahme der gemeinsamen Währung vor. Damit wurde die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft in die Europäische Union umgewandelt. Die Kriterien für die Mitgliedschaft in der Europäischen Union und die Übernahme des Euro werden in drei Dokumenten definiert:
- Dem Vertrag von Maastricht, der am 1. November 1993 in Kraft trat.
- Die Kopenhagen-Kriterien, die 1993 von den Staats- und Regierungschefs in Kopenhagen verabschiedet wurden. Sie legen die allgemeinen Ziele des Maastricht-Vertrags fest.
- Der Rahmenvertrag, der mit jedem Land geschlossen wird, das der EU beitritt.
Die Kriterien sind auch durch weitere EU-Gesetze und Entscheidungen der obersten europäischen Gerichtshöfe präzisiert worden.
Stufe II
Auf dem EU-Gipfel von Madrid im Dezember 1995 wurde auf Betreiben Deutschlands der Name der Einheitswährung von Ecu in Euro geändert. Der Fahrplan von Madrid legte außerdem eine Übergangsperiode zwischen der Einführung des Euro als Buchgeld und als Bargeld fest.
In der zweiten Stufe der EWU wurde das Europäische Währungsinstitut (EWI) als Vorstufe der Europäischen Zentralbank (EZB) gegründet. Der Europäische Rat von Amsterdam verständige sich im Juni 1997 auf den Stabilitäts- und Wachstumspakt und gründete das EWS II, das bei der Einführung des Euro 1999 das EWS I ablösen sollte. Im darauf folgenden Jahr wählte der Europäische Rat in Brüssel elf Länder aus, die den Euro 1999 übernehmen sollten. Gleichzeitig wurde die Europäische Zentralbank gegründet, die die Währungspolitik für die Währungsunion festlegt, Banknoten druckt und die Mitgliedsstaaten bei der Einhaltung der Konvergenzkriterien unterstützt.
Die EZB steht an der Spitze des Systems der Europäischen Zentralbanken, die die Entscheidungen der EZB umsetzen müssen.
Stufe III
Am 1. Januar 1999 wurde der Euro als Buchgeld dadurch eingeführt, dass die Wechselkurse zwischen elf der 15 Mitgliedsstaaten festgeschrieben wurden. Der EWR wurde durch den EWR II abgelöst, der ähnlich, aber im Zusammenhang mit dem Euro funktioniert. Die EZB begann damit, ihre Währungspolitik mit Unterstützung der nationalen Zentralbanken zu entwickeln. Am 1. Januar 1999 begann auch die in Madrid beschlossene Übergangsperiode von drei Jahren. Mitte 2000 gab die Kommission bekannt, dass Griechenland zum 1. Januar 2001 Mitglied der Währungsunion werden solle.
Der Euro war zunächst eine virtuelle Währung für die zwölf Länder der sogenannten „Eurozone“ – Österreich, Belgien, Finnland, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Spanien und Portugal. Der Euro wurde in den Büchern der Unternehmen benutzt, die nun bei ihren Transaktionen sich Sicherheit hatten, dass die Wechselkurse zu den anderen Mitgliedsstaaten sich nicht ändern würden. Die Eurowerte erschienen auch auf den Kontoauszügen neben den nationalen Währungen, um die Bevölkerung mit der neuen Währung vertraut zu machen.
Jedes Land, das den Euro übernehmen will, muss die “Konvergenz-Kriterien” erfüllen, die im Vertrag von Maastricht festgelegt sind.
- Ihre Währung muss für mindestens zwei Jahre innerhalb der Bandbreite des EWR bleiben.
- Die langfristigen Zinsen dürfen nicht mehr als zwei Prozentpunkte über dem Durchschnitt der drei Euroländer mit den niedrigsten Zinsen liegen.
- Die Inflation muss unter einem bestimmten Referenzwert liegen (innerhalb von 3 Jahren darf der Anstieg nicht die 1,5% Marke ueberschreiten)
- Die Gesamtschulden des Staates dürfen 60 Prozent des Sozialproduktes nicht übersteigen (oder sie müssen sich diesem Ziel annähern) und die laufende Verschuldung darf nicht höher als drei Prozent des Sozialproduktes sein
Für die Euro-Einfühung am 1. Januar 2002 wurden 14 Milliarden Banknoten im Wert von 633 Milliarden Euro gedruckt und 52 Milliarden Münzen aus 250 000 Tonnen Metall geprägt. Vor dem 1. Januar 1999 überwogen die Pessimisten, die sich vor der neuen Währung fürchteten. Die Medien waren voll von Geschichten, in denen behauptet wurde, dass ein so massiver Währungsumtausch nicht erfolgreich sein könne. Solche Befürchtungen erwiesen sich aber als unbegründet. Die Bargeldautomaten der Banken gaben die neuen Banknoten Minuten nach Mitternacht aus und die Bürger benutzten den Euro innerhalb von Tagen.
Die Entwicklung des Wechselkurses
Die erste Notierung des Euro fand am 4. Januar 1999 in Frankfurt statt. Damals bekam man für einen Euro 1,1789 Dollar. In der Folgezeit fiel der Euro kontinuierlich im Wert und erreichte ein Jahr später die Parität zum Dollar. Seinen niedrigsten Wert erreichte der Euro am 26. Oktober 2000 mit einem Wechselkurs zum Dollar von 0,8225.
Der Euro erholte sich erst wieder, als das Eurobargeld 2002 eingeführt wurde. Ende 2002 wurden für einen Euro 1,02 Dollar gezahlt. Ein Jahr später waren es 1,24 Dollar. Im November 2004 überschritt der Euro die Marke von 1,30 Dollar und erreichte am 30. Dezember 2004 mit 1,3668 einen vorläufigen Rekord. Im Verlauf des Jahres 2005 fiel der Euro auf 1,18 Dollar und später wieder unter seinen Einführungskurs. 2006 stieg der Euro weiter und erreichte am Ende dieses Jahres erneut Werte über 1,30 Dollar.
Schlüsselthemen:
- Pläne für eine einheitliche Währung kamen schon in den 60er Jahren auf
- Drei Phasen der Integration in die Währungsunion: EU-Beitritt, ERWII, Eurozone
- Der Maastricht-Vertrag von 1992, die Kopenhagener Kriterien von 1993, Beitrittsverträge
- Vier Konvergenzkriterien für den Beitritt zur Eurozone
Chapters
- 1.Die Geschichte – die Einführung des Euro
- 2.Der Stabilitäts- und Wachstumspakt
- 3.Die Europäische Zentralbank(EZB)
- 4. Die Ausdehnung der Eurozone
- 5. Was hat der Euro gebracht?
- 6. Entwicklungen im Jahr 2010
- 7. Key policy makers and contacts