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Bildung, Jugend, Kultur

1. Bildung und Ausbildung 2010

Stefan Wolff, Professor für Politikwisschenschaften an der Universität von Bath, hat von einer beginnenden “wahren europäischen” Identität gesprochen. Wolff hat vorhergesagt, dass Europa in den nächsten Jahren von Politikern regiert wird, die „weniger auf die nationalen Auseinandersetzungen fixiert sind, weniger Brüssel-Schelte betreiben und sich mehr darauf konzentrieren europäische Politik zu machen”. Wolff nennte dieses künftige Führungspersonal die “Erasmus- Generation” nach dem beliebten EU Austauschprogramm für Akademiker.

In den 20 Jahren seit der Einführung von ERASMUS sind 1,2 Millionen Studenten zum Leben und Studieren in ein anderes EU- Land gegangen. Diese Studenten haben einen Wettbewerbsvorteil auf dem Arbeitsmarkt aufgrund ihrer Erfahrungen mit den anderen Kulturen und Sprachen der EU. International anerkannte Abschlüsse und kosmopolitische Attribute sind entscheidende Erfolgsrezepte für die Wissensgesellschaft der EU von morgen.

Ein entscheidender Schritt zu einer europäischen Ausbildung wurde 1998 getan, als die Bildungsminister von Frankreich, Deutschland, dem Vereinigten Königreich und Italien die Sorbonne Erklärung zur Harmonisierung der Hochschulausbildung unterzeichneten. Die Sorbonne Erklärung wurde im folgenden Jahr durch die Bologna Erklärung erweitert (die Bologna Universität ist die älteste Universität in Europa). Die 29 europäischen Unterzeichnerstaaten begannen damit den sogenannten Bologna Prozess, mit dem ein gemeinsamer Europäischer Raum für Hochschulbildung(EHEA).

Der Bologna Prozess wurde in den darauffolgenden Jahren bei verschiedenen Treffen der europäischen Bildungsminister und durch Initiativen der Europäischen Kommission erweitert.

  • Die Erklärung von Prag im Mai 2001 fügte dem Bologna Prozess drei neue Elemente hinzu, darunter ein Konzept für lebenslanges Lernen, die Einbeziehung der Studenten in den europäischen Hochschulraum der in Wettbewerb mit Hochschulen in anderen Ländern der Welt treten soll
  • Der Berliner Gipfel im September 2003 - 04 an dem 40 Staaten teilnahmen, unterstrich, dass die Hochschulbildung eine öffentliche Aufgabe mit einer ausgeprägt sozialen Dimension ist. In Berlin wurde beschlossen, dass bis 2005 Qualitätstandards für Bachelors und Masters etabliert und ein internationales System für die Anerkennung von Studienabschlüssen etabliert werden soll. Der Hochschulraum soll außerdem mit der Forschung verzahnt und nationale Stipendien oder Ausbildungsdarlehen sollen europaweit eingesetzt werden können. Die Studentenorganisationen sollen am Aufbau des EHEA beteiligt werden.
  • Der Gipfel in Bergen 19-20 Mai 2005 stellte Ziele auf, die bis zum Gipfel in London im Jahr 2007 erreicht werden sollen. So sollen Standards und Leitlinien für die nationale Ausbildung erstellt werden und für die Vergabe und Anerkennung gemeinsamer Zertifikate von Institutionen unterschiedlicher Nationalität. Es müssen flexible Methoden für die Hochschulausbildungen entwickelt werden, unter anderem für die Bewertung von bereits erworbenem Wissen. Dazu dient der Qualifikationsrahmen für die Hochschulbildung in Europa, der drei Ebenen der Hochschulausbildung anerkennt: eine Grundausbildung, den Master und den Doktor.

Oberstes Ziel der Europäischen Union ist es heute der wettbewerbsfähigste, dynamischste wissensbasierteste Wirtschaftsraum in der Welt zu werden. Nach den Ergebnissen des Europäischen Rates von Lissabon im März 2000 wächst eine solche Wirtschaft nachhaltig, bietet bessere Jobs und erzeugt einen stärkeren sozialen Zusammenhalt. Die europäischen Regierungen haben begriffen, dass das Bildungs- und Ausbildungssystem grundlegend modernisiert werden muss, wenn diese Ziele erreicht werden sollen. 2002 beschlossen sie, dass Europa bis 2010 das weltweit beste Bildungs- und Ausbildungssystem haben soll.

Die Bildungsminister verständigten sich auf drei Hauptziele, die bis 2010 erreicht werden sollen. Das Bildungs- und Ausbildungsprogramm 2010:

  • Verbesserung der Qualität und Effektifivtät des europäischen Bildungs- und Ausbildungsprogramms;
  • Garantierter Zugang für alle;
  • Öffnung der Bildung und Ausbildung für die Welt.

Um diese Ziele zu erreichen verständigten sie sich auf dreizehn spezifische Ziele, die die unterschiedlichen Typen und Ebenen der formalen und nicht- formalen Bildung und Ausbildung umfassen, die das lebenslängliche Lernen fördern sollen. Die Systeme müssen in allen Bereichen verbessert werden: Lehrerausbildung, Grundkenntnisse, Einbindung von Informations- und Telekommunikationstechniken, die Effizienz der Investitionen, Sprachkompetenz, lebenslange Orientierung, Flexibilität der Systeme, um Bildung für alle zugänglich zu machen, die Mobilität zu fördern und das Bürgerbewusstsein.

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